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normal Japanische Filme der Gegenwart

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31 Aug 2017 00:58 #1

In unserer Zeit haben japanische Filmemacher einige aussergewöhnliche Werke realisiert. Die hier aufgeführten Beispiele sind ganz verschieden, aber alle beeindrucken durch grosse Sensibilität, Menschlichkeit, beeindruckende Bilder und eine faszinierende Handlung.
Sie sind teils realistisch, teils fantastisch. Alle kommen ohne grobe Knalleffekte aus; wir sind hier weit weg von der Welt der Samurai. Alle sind bei uns auf DVD erhältlich. Am besten gefallen sie mir in original-japanischer Sprache. Davon verstehe ich zwar kein Wort, aber die Stimmung im Film und das Temperament der handelnden Personen wird so intensiver, direkter erlebt. Und dazu gibt es ja Untertitel.

Hier einige Werke, die ich empfehlen möchte:

"Die Legende der Prinzessin Kaguya"
von Isao Takahata, 2013

"Nokan - Die Kunst des Ausklangs",
von Yojiro Takita, 2008

"Kirschblüten und rote Bohnen"
von Naomi Kawase, 2015

"Be with you"
von Nobuhiro Doi, 2004

"Still the Water"
von Naomi Kawase, 2014

Kurze Beschreibungen:

"Die Legende der Prinzessin Kaguya"
Eine uralte japanische Legende als Zeichentrickfilm.
Eine Beschreibung gibt unter dem Menüpunkt "Leser-Essays".

"Nokan - Die Kunst des Ausklangs":
Ein junger Musiker verliert seine Position als Cellist in einem Orchester. Auf der Suche nach einer neuen Anstellung bewirbt er sich auf ein etwas unklares Stelleninserat. Zu seiner Verwunderung wird er gleich angenommen - zu einem sehr grosszügigen Gehalt. Er realisiert zu spät, dass die spezielle Dienstleistung dieser Kleinfirma darin besteht, Verstorbene für das Begräbnis herzurichten. Das geht in Japan nach einem aufwendigen Zeremoniell: Eine rituelle Waschung, dann den Körper einkleiden, schminken...
Obwohl sich der junge Mann damit in der japanischen Klassen-Hierarchie auf die unterste Stufe begeben hat, bleibt er dabei. Diese spezielle Ruhe und Würde, in der das Ritual vollzogen wird, meist im Beisein der ganzen Familie, hat etwas Faszinierendes. Aber sein Umfeld darf nicht wissen, wie er sein Geld verdient. Seine Frau erfährt es dennoch. Sie, empfindet das als grosse Schande und droht, ihn zu verlassen. Aber der Film endet versöhnlich; sie versteht schliesslich seine Motivation, als sie einmal so ein Ritual mit erlebt.

"Kirschblüte und rote Bohnen":
Der Besitzer einer kleinen, unbedeutenden Imbiss-Bude erhält eines Tages Besuch von einer eigenartigen alten Frau, die ihm erklärt, es sei schon immer ihr Traum gewesen, in so einer Bude zu arbeiten. Der Mann verkauft ein traditionelles Gebäck, das mit roter Bohnenpaste gefüllt wird. Er hat sie bis jetzt aus dem Handel bezogen. Aber die Frau zeigt ihm, wie man diese Bohnenpaste richtig selber macht. Dafür muss er allerdings sehr früh aufstehen ...
Seine Bude wird plötzlich bekannt, er hat grossen Erfolg - und erst gegen Schluss erfährt er, woher die Frau kommt und was ihr Geheimnis ist. Das wollen wir hier nicht vorzeitig ausplaudern - es hat mit einer unschönen Seite der japanischen Gesellschaft zu tun, in der bis vor kurzem bestimmte Menschen isoliert und ausgeschlossen wurden.

"Be with you":
Der junge Vater, die Mutter, der sechsjährige Sohn bilden eine glückliche kleine Gemeinschaft. Der Vater ist gesundheitlich angeschlagen, der Junge sehr aufgeweckt und lebhaft, die Mutter sorgt liebevoll für beide. Doch dieses Glück besteht nur noch in der Erinnerung. Die Mutter ist verstorben.
Seither gibt sich der Vater Mühe, sich und den Knaben ohne die Mutter durchs Leben zu bringen. Er hat wenig Kontakt und lebt in den Erinnerungen. Sein kleiner Sohn hat dazu viele Fragen.
Die Mutter hat für den Buben ein selbst gemachtes Buch mit Texten und Zeichnungen hinterlassen. Darin hat sie geschrieben, zu Beginn der Regenzeit werde sie zurück kommen. Der Junge glaubt fest daran und versucht auch den Vater zu überzeugen. Und die Regenzeit kommt ...

"Still the Water":
Hintergrund ist das einfache Leben einer japanischen Dorfgemeinschaft auf einer Insel. Schon allein die grossartigen Aufnahmen der bewegten Meereswellen am Anfang machen den Film sehenswert. Der junge Mann ist schweigsam und introvertiert. Er kann sich mit der lockeren Lebensweise seiner Mutter nicht abfinden. Er scheut sich vor dem Wasser. Seine Freundin dagegen liebt es, ins Meer einzutauchen. Ihre Mutter, die Schamanin des Dorfes, ist krank. Sie ist sich bewusst, dass sie bald sterben wird. Die jungen Leute finden schliesslich trotz der inneren und äusseren Schwierigkeiten zusammen und schwimmen in der symbolischen Schlussszene gemeinsam unter Wasser im Meer. Ein Film mit ruhiger Handlung und sehr schönen Bildern.

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11 Okt 2017 11:23 #2

Hallo Carl, hallo liebe Literaturgemeinde,

leider kann ich selbst nichts beitragen, weil ich noch keine ernsthaft gelesen habe.

Was mich aber beeindruckt und "kalt erwischt" ist die Forumlierung, daß Du gerne die originale siehst.

Das hat was, das mache ich sogar manchmal bewußt.

Ich habe mal einen Kung-Fu-Film gesehen, wo mich ein Satz beeindruckt hat: "Die beste Art, einem Schlag auszuweichen ist: nicht da sein". Auf den ersten Blick sieht das nach "flucht" aus, auf den zweiten Blick ist es jedoch klug. Bedeutet: Der austeilende konzentriert seine ganze Kraft und läuft dann genau im richtigen Moment ins Leere. Der eigentliche Empfänger jedoch hat noch alle Kraft und kann sie mit gekonnten Griffen nun auf ihn mit voller Kraft anwenden. Das ist klug, wenn es denn schon sein muß.

Dieser Satz hat mich ziemlich lange beschäftigt und ich habe danach den Film noch mal gesehen, jedoch fiel der Ton aus. Ich habe dann nicht ausgeschaltet sondern das weitergeguckt und mir die Worte, den Inhalt aus dem Kopf heraus dazugemacht. Dabei habe ich erstaunt festgestellt, wie das mein Hirn fördert. Auch ist mir dabei die Gestik weit mehr aufgefallen als je zuvor, ja heute achte ich sehr viel stärker auf die Gestik, Körpersprache und so weiter.

Seitdem mache ich das sogar öfters bewußt und stelle fest, daß ich dabei sehr viel "hinsehen" und "hören" gelernt habe, viel mehr als ich das je gedacht hätte. Manche meiner Freunden sind sogar gelegentlich erschreckt, wie ich Dinge vor anderen erkenne.

Leider habe ich keine Filme oder Literatur bewußt im Kopf, weder diejenigen, die oben erwähnt sind noch andere, aber bin neugierig geworden, auch auf Grund dieser interessanten Beobachtung.

Immer wieder profitiere ich von den Gedanken, Informationen und geistigen Werten und möchte gerne empfehlen einfach mal mitmachen. Zu Dialogen zu kommen. Es ist wertvoll, von den anderen zu profitieren. So wie jetzt von den Vorschlägen von Carl, aber auch von miteinander. Es wäre für mich nicht schlimm, wenn jemand sagt ich sei doof, weil ich mir Filme schon mal bewußt stumm ansehe, aber vielleicht gibt es andere die ähnliches beobachtet haben und man kann sich öffentlich austauschen.

Der Sinn der Sache ist ja gerade auch Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen und sich so gegenseitig zu bereichern.

Macht es mal ziemlich gut, zusammen.

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30 Okt 2017 20:50 #3

Den Film ohne Ton schauen? Interessante Idee, das will ich mal ausprobieren.

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18 Nov 2017 03:52 #4

Hallo Carl, liebe Forengemeinde,

ja Film ohne Ton ansehen, bewußt. Vielleicht für den Anfang einen, den man schon kennt.

Das mache ich nicht ständig, aber immer mal wieder und es "schult" in mehrfacher Hinsicht.

Dazu paßt eine Studie, die ich ergänzend noch gerne anreißen möchte:

Im Alter hochgeistig fit. Bisher hat man oft gedacht, Hirntraining z.B. durch viele Kreuszworträtsel und anderen Anforderungen an das Hirn halten bis ins hohe Alter fit.

Ist jedoch zu einer ganz anderen Erkenntnis gekommen.

Die heißt fordern..

Es wurde hier nachvollziehbar gemacht, dass die Hirnleistung gewaltig gesteigert wurde, wenn Sie öfters über ihre Grenzen hinaus gefordert wurde. Ein Problem, eine 'Aufgabe niemals beenden bevor es nicht zufriedenstelltend gelöst ist. Wir meinen manchmal wir wären an unseren Grenzen. Doch hier wurde nachvollziehbar gemacht, dass dieser kleine Schritt der über die Grenze hinaus das Hirn fordert gewaltig wirksam ist.

Wie ein Sportler, der Höchstleistungen vollbringt und ein Herausforderer ihn zwingt, mehr aus sich herauszuholen als je zuvor, als er sich zugetraut hätte.

Es wurde zusammenfassend aus meiner Sicht überzeugend formuliert: Die Komfortzone verlassen.

In dem wir einen schon bekannten Film stumm ansehen zwingen wir unser Hirn genauer hinzusehen, das Gedächtnis zu benutzen, was hatte der da eigentlich gesagt. Und da ich das zumindest nicht immer wörltich weiß, reime ich mir das dann sinngemäß zusammen und "erfinde" Teile des Films manchmal neu, im Sinne bleibt er aber.

Noch nicht sonderlich erfolgreich bin ich mit unbekannten Filmen, davon abgesehen daß ich nicht dauernd welche gucke.

In der Studie wurde das Hirn wie ein Muskel gesehen, der verkümmert, nur bringt was er muss um zu leben/funktionieren.

Indem wir die Komfortzone verlassen ist es zunächst vielleicht unangenehmer schwieriger, komplizierter aber es hat eine unglaublich dauerhafte Tiefenwirkung, eine Stärkung insgesamt.

Aber nun begebe ich mich (es ist 5 Uhr morgens) in eine andere Komfortzone.. So mit Kopfkissen und so.

Machs gut Carl und alle die das hier lesen gerne mitreißen möchte.

Noch ein Nachsatz für alle, die es evtl. neugierig macht:

Hab das jetzt, wo das hier bewußt formuliert worden ist, mit einer besten Freundin schon ein paar mal jetzt vorsätzlich und bewußt gemacht und das hat erst recht was.. Sich gegenseitig verständigen, den anderen noch besser kennenlernen, warum er so dachte und nicht wie man selbst.. Wir haben das Gefühl, das uns das ziemlich fordert und fördert. Hat das mal jemand außer mir/uns nachgemacht?

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