WELTLITERATUR

Mit dieser Website wollten wir zunächst einmal in der klassischen Literatur

  • eine einfache Übersicht herstellen, und
  • zwei Bedeutungen unterscheiden

 

Eine einfache Übersicht herstellen

Wer privat viel liest, kennt oft einzelne Autoren und einzelne Werke sehr gut, hat aber manchmal Mühe, sie in einem Zusammenhang zu sehen. Was war vorher, was kam gleichzeitig und was nachher?

Nachschlagewerke geben Auskunft, schaffen aber meist keine Übersicht. Ob das nun Bildschirmseiten sind oder dicke Bände. Sie helfen besonders dann nicht weiter, wenn sie am Kästchendenken kranken. Da gehört für manche zum Beispiel "Der goldene Esel" von Apuleius in das Kästchen Literatur. Die Selbstbetrachtungen von Marc Aurel aus der gleichen Zeit aber ins Kästchen Philosophie. Nicht sehr hilfreich.

So wollten wir uns hier einen lang gehegten Wunsch erfüllen:
Eine simple Tabelle zeigt die bedeutendsten Werke der Weltliteratur in einem Zeitraster - quer über die Sprachregionen. Dazu kommen wichtige Werke aus Philosophie und Religion – es wäre Unsinn, die auszuklammern – aber auch populäre Bücher, die nicht zur erstrangigen Literatur zählen.

Da zeigt sich schon auf den ersten Blick manches, was einem nicht bewusst war. Zum Beispiel, dass zwei sehr populäre Werke im gleichen Jahr entstanden sind: In Deutschland im Jahr 1865 „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch, und in England 1865 „Alice in Wonderland“ von Lewis Carroll.

Welches sind aber nun die wichtigsten, die bedeutendsten Werke der Weltliteratur? Und warum sind sie bedeutend? Damit kommen wir auf den zweiten Punkt:

 

Zwei Bedeutungen unterscheiden

Wir wollen hier eine Anregung von Arno Schmidt aufnehmen und zwei Fälle unterscheiden:

  • Ein Buch kann bedeutend sein, weil es zum Beispiel eine neue Entwicklung einleitet, oder den Höhepunkt einer Epoche repräsentiert.
    Es ist bedeutend aus der Perspektive der Literaturgeschichte.
  • Ein Buch kann aber auch bedeutend sein, weil es für uns anregend zu lesen ist, auch wenn es vor tausend Jahren geschrieben wurde.
    Es ist bedeutend als Lese-Erfahrung.

Wir wollen also die Sicht des heutigen Lesers als gleichberechtigte Alternative der Sichtweise gegenüber stellen, die in der offiziellen Literaturgeschichte gepflegt wird.

Die beiden Bedeutungen fallen oft nicht zusammen. Es gibt Gegensätze und Überschneidungen. Manche Bücher dienen uns nur als eine Art Meilenstein, es ist nützlich, ihren Namen und ungefähr die zeitliche Einordnung zu kennen. Andere Werke wollen wir tatsächlich lesen.

Da wird zum Beispiel in der Literaturgeschichte Zettels Traum als das Hauptwerk von Arno Schmidt aufgeführt. Also anscheinend ein Werk, das man kennen sollte. Das ist es nun aber wirklich nicht. Zu aufwendig, bringt zu wenig, für Neulinge geradezu abschreckend. Als Leser lassen Sie das besser beiseite. Lieber geniessen Sie zuerst einmal die frühen Erzählungen, oder Das steinerne Herz.  

Damit sei nicht gesagt, dass wir nur empfehlen, was leicht und unterhaltsam zu lesen ist. Wir akzeptieren, dass die individuellen Beurteilungen ganz unterschiedlich ausfallen müssen. Der Zauberberg ist für Gymnasiasten vielleicht ein Bleigewicht, für reifere Leser dagegen ein faszinierendes Werk.

Hinweis:
Im Idealfall würden wir in den Listen zur klassischen Literatur schon bei jedem Werk auch optisch klar zum Ausdruck bringen, ob wir das nun zu lesen empfehlen oder ob es eher als ein Meilenstein der Literaturgeschichte aufgeführt ist. Aber das ist ein Projekt in Arbeit.

Der goldene Esel

Lese-Empfehlung

esel

Apuleius von Madauros
125 - 170

Ein Unterhaltungs- und Abenteuer-Roman, ein erotischer Roman, oder im Grunde die Geschichte einer religiösen Einweihung? Darüber streiten sich die Gelehrten heute noch. Lassen wir sie streiten. Für uns stimmt, was der Autor selber im Vorwort sagt: "Leser, pass auf, du wirst dein Vergnügen haben!"

Der junge Lucius, neugierig und nach Abenteuern dürstend, wird im griechischen Thessalien durch einen "Zufall" in einen Esel verwandelt. Er sieht das Leben der Menschen aus Sicht eines Esels, der menschlichen Verstand hat, und erlebt selber schmerzliche, dramatische und witzige Situationen, bis er schliesslich durch die Göttin Isis erlöst wird.

Der lateinische Roman liegt heute in einer neuen deutschen Fassung vor, die der lebendigen und frechen Sprache des Originals entspricht. (Meinhard-Wilhelm Schulz, 2016, BoD)